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Hessische Landeszentrale für politische Bildung

Folge 15: Das DP-Camp Frankfurt-Zeilsheim

Welche Rolle spielte Hessen für die jüdischen Überlebenden der Shoah nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs? Und wie wurde aus einem ehemaligen DP-Lager in Frankfurt-Zeilsheim für tausende Menschen ein Ort des Wartens, der Hoffnung und des Neuanfangs? Podcastfolge 15 der Reihe „Jüdisches Leben, Geschichte und Kultur in Hessen“ der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung widmet sich einem bedeutenden, heute jedoch vielfach unbekannten Kapitel der hessischen Nachkriegsgeschichte.

Im Gespräch mit dem Historiker Jim Tobias und dem Zeitzeugen Majer Szanckower wird deutlich, dass das jüdische DP-Camp Frankfurt-Zeilsheim weit mehr als eine provisorische Unterkunft war.
„DP-Camps“ waren Lager für sogenannte „displaced persons“ – Menschen, die durch Krieg und Verfolgung entwurzelt worden waren und nach der Befreiung zunächst keine Heimat hatten, in die sie zurückkehren konnten.
Als eines der wichtigsten jüdischen Displaced-Persons-Camps in Hessen entstand hier nach der Shoah neues jüdisches Leben: Es gab Schulen und Kindergärten, Sportvereine, Zeitungen, kulturelle Veranstaltungen und eine lebendige Gemeinschaft. Zugleich erzählen die Studiogäste von den Herausforderungen der Nachkriegszeit, von der Suche nach Angehörigen, dem Wunsch nach einer neuen Heimat und der Frage, wie ein Leben nach Verfolgung und Verlust überhaupt wieder möglich wurde.

Besonders eindrucksvoll sind die persönlichen Erinnerungen des kurz vor der Rente stehenden Verwalters der jüdischen Friedhöfe Frankfurt am Mains, Majer Szanckower – der seine Kindheit selbst in einem DP-Camp verbrachte, dem DP Camp Föhrenwald (Oberbayern). 
Seine Erlebnisse machen Geschichte greifbar und zeigen, wie eng Schmerz, Hoffnung und Lebensmut miteinander verbunden sein können. Ergänzt werden sie durch die Forschungsergebnisse von Jim Tobias, der die besondere Bedeutung der hessischen DP-Camps – allen voran Frankfurt-Zeilsheim – in den größeren historischen Kontext einordnet und erläutert, warum dieses Kapitel der Geschichte bis heute viel zu wenig bekannt ist.

Die Folge lädt dazu ein, die Geschichte eines Frankfurter Stadtteils aus einer ungewohnten Perspektive zu entdecken: als einen Ort, an dem jüdische Überlebende nach der Befreiung begannen, ihre Zukunft neu zu gestalten und die Grundlagen für die Wiederbelebung jüdischen Lebens legten. Sie verbindet bewegende persönliche Erinnerungen mit fundierter historischer Einordnung und eröffnet einen eindrucksvollen Blick auf ein ebenso regionales wie internationales Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte. 

Shownotes

Konzept

Isabel Gathof, Felix Münch, Ann-Kathrin Rahlwes & Claudia Stul

Moderatorin

Isabel Gathof

Studiogäste

Jim Tobias, Majer Szanckower

Einspieler

Interview mit Rosa Orlean, Frankfurt/Main 2010, nurinst-archiv                    

Ton-Aufnahme & -Bearbeitung

Sascha Amic, Metz Neun Synchron, Offenbach

Intro- und Outro-Musik

Monet von Magnus Moone (SoundTaxi)

Projektbetreuung HLZ

Felix Münch & Claudia Stul

Produktionstechnische Gesamtleitung

Isabel Gathof

Angebote und Feedback

Alle Angebote, Veranstaltungen, Publikationen, Onlineformate der hessischen Landeszentrale für politische Bildung sowie Unterrichtsmaterialien zum Podcast finden sie auf unserer Homepage.

Die Landeszentrale für politische Bildung freut sich über Feedback, Anregungen und Kritik zum Podcast. Schreiben sie uns eine E-Mail an juedischesleben@hlz.hessen.de

Timestamps

(00:00:33) – Ausschnitt aus dem Interview mit Rosa Orlean, ehem. Bewohnerin des DP-Camp Zeilsheim, aus dem Jahre 2010
(00:02:05) – thematische Einführung ins Thema & Begriffsklärung; Vorstellung der Studiogäste  
(00:04:12) – Frage nach der persönlichen Motivation von Jim Tobias für seine Forschungsarbeit zu DP-Camps
(00:07:11) – zentrale Informationen zu DP-Camps, Situation in Deutschland unmittelbar nach Kriegsende
(00:11:30) – Täter und Opfer trafen zunächst in DP-Camps aufeinander
(00:13:07) – Ergebnis des Harrison-Reports: es kam zu jüdischen DP-Lagern
(00:14:57) – Situation nach Kriegsende in Hessen – wie kam es zur Gründung des DP- Camps Zeilsheim?
(00:19:10) – Pogrom von Kielce führte zu Massenflucht aus Polen in die amerikanische Besatzungszone
(00:20:59) – Majer Szanckower spricht von seinen Erinnerungen an das DP-Camp Föhrenwald
(00:27:37) – Bedeutung von Eretz Israel für jüdische DPs
(00:29:05) – Emigrationspläne nach Norwegen und Detroit bis São Paolo
(00:31:00) – 1957: Majer Szanckowers Ankunft in Frankfurt
(00:32:54) – Wie lassen sich die Erfahrungen aus Föhrenwald auf Zeilsheim übertragen?
(00:34:57) – Kinder in DP-Camps
(00:35:55) – Historische Ereignisse im DP-Camp Zeilsheim
(00:36:45) – Ereignisse & Herausforderungen, die Majer Szanckowers Kindheit im DP-Camp geprägt haben
(00:38:13) – Wie das Leben in der Waldschmidtstraße in Frankfurt weiterging
(00:41:19) – Antisemitismus-Erfahrungen und Angst im Nachkriegsdeutschland
(00:42:58) – Etablierte, erste Frankfurter Juden stammten aus DP-Camps, v.a. aus Polen
(00:44:33) – Bedeutung von DP-Camps für die deutsche (Nachkriegs-)Geschichte
(00:46:30) – Warum wird ein Teil der Geschichte verdrängt?
(00:47:10) – Wie das Leben im DP-Camp Majer Szanckowers weiteres Leben geprägt hat
(00:47:52) – Bedeutung von Initiativen aus der Zivilgesellschaft
(00:49:56) – Botschaft der Studiogäste und Wünsche an die Zukunft
(00:52:11) – Abmoderation und Appell an die Zuhörenden

Disclaimer

Der Inhalt des Podcast gibt die subjektive Wahrnehmung, Haltung und Meinung der Gäste wieder und entspricht nicht zwingend der Wahrnehmung, Haltung und Meinung der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung (HLZ) und ihrer Bediensteten.