Das Baltikum zählt als Grenzregion zu den „Zwischenräumen“ Mitteleuropas, in denen sich die Bevölkerungsgruppe trotz wechselnder Herrschaftssysteme und Regentschaften eigene Identitäten bewahrt haben. Eine Sonderstellung nimmt hierbei die deutsche Minderheit ein, die über Jahrhunderte das baltische Territorium als soziale Oberschicht dominiert hat. Der plurikulturelle Sozialcharakter ist bis heute aufbewahrt in Volksbräuchen, lettischen Volksliedern („Dainas“), estnischen Sprichwörtern und Verwünschungen aber auch in einem großen Schatz deutschbaltischer Anekdoten („Pratchen“). Sie zeigen das Bild einer Völkerfamilie, deren Geschichte „eine Art Familienkrach verfeindeter Verwandter“ (Armin v. Ungern-Sternberg) darstellt, die infolgedessen geprägt ist von Schlagworten, Klischees und Vorurteilen, z. B. im Bild vom „grausam, wollüstigen und eingebildeten“ baltischen Baron und „heuchlerischen Pastor“ (Jan Undusk) sowie auf der anderen Seite in der Überzeichnung der kolonisierten Esten und Letten.
Die Kulturtage gehen mit der Frage „Typisch baltisch?“ dem Ursprung und der Stimmigkeit einiger baltischen Stereotype nach, die durch die Weitergabe Einfluss auf das kollektive Gedächtnis genommen haben und ob und wie sich dieser im aktuellen Miteinander nachweisen lässt. Durch die teilnehmenden Gäste aus Deutschland und den Baltischen Ländern sowie die Studierenden und jüngere Generation bietet sich die authentische Gelegenheit zum exemplarischen Austausch in dieser Frage.
Referenten
- Prof. Dr. Mara Grudule, Professorin an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Lettlands
- Prof. Reet Bender, Professorin für Germanistik – Institut für Fremdsprachen und Kulturen, Universität Tartu, Leiterin des Zentrums für Deutschbaltische Forschungen, Leiterin der Abteilung für Germanistik Ausgewählte Publikationen
- Dr. Martin Pabst, Historiker
- Dr. Johann Nicolai, Autor
- Udo Bongartz, Germanist, Politikwissenschaftler und Journalist
- Mikhail Heiseler
- Prof. Dr. Olev Liivik, Assoziierter Professor für Archivwesen – Institut für Geschichte und Archäologie, Universität Tartu
- Kristiina Kivilaan-Veelsker M. A., estnische Kulturwissenschaftlerin und Beraterin
Eine Kooperation der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung mit Deutsch-Baltischen Gesellschaft e.V.
Eine Anmeldung zu dieser Veranstaltung ist erforderlich unter: https://www.deutsch-balten.com/post/typisch-baltisch-stereotype-narrative-widerspr%C3%BCcheÖffnet sich in einem neuen Fenster
Eintritt ist kostenpflichtig.