Lern- und Erinnerungsort Notaufnahmelager Gießen

Willkommen auf der Projektseite des Lern- und Erinnerungsortes Notaufnahmelager Gießen. Das Land Hessen hat an diesem bedeutenden historischen Ort eine Gedenkstätte errichtet, die sich der Aufarbeitung der SED-Diktatur, der Vermittlung positiver Demokratiegeschichte sowie der (den) deutsch-deutschen Flucht- und Integrationsgeschichte(n) zwischen 1945 und 1989/90 widmet. Das ehemalige Notaufnahmelager Gießen ist ob seiner historischen Bedeutung als zentrales Bundesnotaufnahmelager in der Geschichte der Bundesrepublik seit Mitte der 1960er Jahre ein einzigartiger Ort, an dem sich für Viele das „Tor zur Freiheit“ öffnete, wo sich noch heute sinngebende Fragen von Diktatur und Demokratie, Unterdrückung und Menschenrechten, Freiheit und Unfreiheit, Flucht und Integration eindrücklich und eindringlich spiegeln und einer breiten Öffentlichkeit pädagogisch vermitteln lassen.

Der Lern- und Erinnerungsort ist eröffnet!

Die feierliche Eröffnung fand am 17. Juni 2025 statt. Infos zur Fahrtenförderung für Gruppen finden Sie hier. Weitere Infos zum Besuch und zum Ort finden Sie auf der Webseite.

Das Notaufnahmelager Gießen war für viele Menschen über Jahrzehnte ein Sehnsuchtsort und die erste Station in ein neues Leben - sozusagen das Tor zur Freiheit, zu Selbstbestimmung, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Gießen galt dabei als Visitenkarte der Menschlichkeit.

Dr. Alexander Jehn ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender
Lern- und Erinnerungsort Notaufnahmelager Gießen gGmbH
Schematische Abbildung der Dauer- und Wechselausstellung
Raumprogramm, Dauer- und Wechselausstellung Lern- und Erinnerungsort Notaufnahmelager Gießen
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Die Hessische Landeszentrale für politische Bildung hat den Lern- und Erinnerungsort in ressortübergreifender Zusammenarbeit auf dem landeseigenen Gelände des ehemaligen Notaufnahmelagers in Gießen errichtet. Die Trägergesellschaft in der Rechtsform einer gGmbH steht im alleinigen Besitz des Landes Hessen.

Die Finanzierung der Gesamtmaßnahme (Investitionskosten) teilt sich in drei Blöcke:

KostenblockKosten bruttoKostenträger
[1]  Einrichtung Gedenkstätte (Ausstattung) inkl. Dauerausstellungrd. 2,20 Mio. €Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) 1,8 Mio. €,
Hessen 400.000 € (HLZ)
[2]  Digitale Sonderprojekterd. 0,55 Mio. €Hessen (Digitalministerium)
[3]  Baukosten, infrastrukturelle und denkmalpflegerische Maßnahmenrd. 4,09 Mio. €Hessen (Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen)
Invest gesamtrd. 6,84 Mio. € 

In Gießen ist ein profilierter Lern- und Erinnerungsort der politischen Bildung entstanden, dessen inhaltliche Schwerpunkte auf der Aufarbeitung der SED-Diktatur und dem „Demokratielernen“ liegen. Als landeseigener Träger der politischen Bildung arbeitet der Lern- und Erinnerungsort im Einklang mit der Gedenkstättenkonzeption des Bundes und dem satzungsmäßigen Grundauftrag der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, die dem Beutelsbacher Konsens verpflichtet ist.

Der Lern- und Erinnerungsort nutzt die historischen Gebäude Haus 9 (Pforte), Haus 1 (Verwaltung), Haus 6 (Speise-/Kulturhaus) und Haus 7 (Krankenstation) des ehemaligen Notaufnahmelagers. Auf rund 1.500 Quadratmetern Nutzfläche befinden sich die für die Funktionen Lernen und Erinnern erforderlichen Räumlichkeiten sowie die dazugehörigen Büro- und Verwaltungsflächen. Dazu gehören insbesondere eine Dauerausstellung in Teilen der Häuser 6 und 1 mit rund 500 Quadratmetern Ausstellungsfläche, eine Kompaktausstellung in der ehemaligen Pforte (Haus 9) mit rund 60 Quadratmetern Ausstellungsfläche, ein Foyer mit Buchshop und Café, ein Empfangsbereich mit Infocounter, eine Veranstaltungs- und Wechselausstellungsfläche, ein Lernort mit Seminar- und Projekträumen sowie einem Zeitzeugenstudio, Büro- und Besprechungsräume sowie Lager-, Archiv- und Garderobenflächen. Der Gebäudekomplex aus den Häusern 9, 1, 6 und 7 sowie der Außenraum wurden mit einem Zeitschnitt im Jahr 1963/64 rekonstruiert und werden durch einen Außenrundgang erschlossen.

Das Notaufnahmelager Gießen steht mit seinen Markenkernen – der SED-Aufarbeitung und der Vermittlung einer positiven Demokratiegeschichte – für eine Bereicherung der politischen Bildungsarbeit in Hessen.

Mathias Friedel Projektleitung und Referatsleiter
für Grenzmuseen und SED-Aufarbeitung in der HLZ

Der am 17. Juni 2025 eröffnete Lern- und Erinnerungsort verbindet historische Erinnerung mit politischer Bildung. Ausstellungen, Workshops, Veranstaltungen und Zeitzeugengespräche laden Besucherinnen und Besucher dazu ein, die Geschichte des Notaufnahmelagers Gießen zu entdecken und sich mit den Erfahrungen der hier aufgenommenen Menschen sowie ihrem Ankommen in der Bundesrepublik auseinanderzusetzen: Was bewog Menschen dazu, ihre ostdeutsche Heimat zu verlassen? Welche Wege der Flucht und Ausreise gab es? Wie funktionierte der Aufnahmeprozess in Gießen? Und welche Erfahrungen und Herausforderungen waren mit dem Ankommen in der bundesrepublikanischen Demokratie verbunden?

Die Geschichte des Notaufnahmelagers Gießen ist mehr als nur ein Kapitel der Vergangenheit – sie ist ein lebendiger Teil unserer Gegenwart und Zukunft. In der Podcast-Folge "Das Notaufnahmelager Gießen – Auf dem Weg zum Lern- und Erinnerungsort" nehmen wir mit auf eine Reise durch die Zeit und beleuchten, wie dieser bedeutende Ort der Flucht und Ankunft in eine moderne Plattform für historische Bildung und demokratische Aufklärung verwandelt wird. Der Podcast bietet nicht nur historische Fakten, sondern auch bewegende Zeitzeugenberichte und tiefgehende Gespräche mit Expertinnen und Experten, die das Lager als Lern- und Erinnerungsort neu gestalten.

Repräsentative Befragung zum Wissen der hessischen Bevölkerung über die DDR-Geschichte und die SED-Diktatur

Die Lern- und Erinnerungsort Notaufnahmelager Gießen gGmbH in Kooperation mit der HLZ eine repräsentative Befragung zum Wissen der hessischen Bevölkerung über die DDR-Geschichte und die SED-Diktatur in Auftrag gegeben. Hintergrund der Befragung ist die Gründung der ersten landeseigenen Gedenkstätte in Hessen im ehemaligen Gießener Notaufnahmelager. Da dessen Markenkern im Bereich der SED-Aufarbeitung liegt, sollten fundierte Zahlen zu den Erwartungen und zum Wissensstand der hessischen Bevölkerung erhoben werden. Mit der Durchführung der Befragung wurde das Meinungsforschungsinstitut Forsa beauftragt. Zu den Ergebnissen und weiterführenden Informationen:

FAQ

zum Lern- und Erinnerungsort Notaufnahmelager Gießen

Das Notaufnahmelager Gießen war eine wichtige Einrichtung in Deutschland, die eine zentrale Rolle in der Aufnahme und Erstversorgung von Flüchtlingen und Asylsuchenden spielte. Gelegen in Gießen, Hessen, fungierte es als Erstaufnahmeeinrichtung für die Registrierung, medizinische Untersuchung und vorübergehende Unterbringung von Schutzsuchenden, bevor diese auf andere Einrichtungen verteilt wurden. Als Knotenpunkt im Netzwerk der Flüchtlingsunterbringung trug das Lager entscheidend zur Bewältigung von Migrationsströmen und zur Förderung der Integration in Deutschland bei.

Die Eröffnung des Lern- und Erinnerungsortes Notaufnahmelager Gießen ist für 2025 geplant. Aktuell sind die Bauarbeiten sowie die Erarbeitung der Dauerausstellung in vollem Gange.

Das Notaufnahmelager Gießen spielte eine zentrale Rolle in der deutsch-deutschen Geschichte. Neben den regulären Übersiedlerinnen und Übersiedlern aus der SBZ/DDR wurden im NAL Gießen auch etwa 27.000 politische Häftlinge, die von der Bundesrepublik freigekauft wurden, im Westen aufgenommen. Im Lernort werden daher die entsprechenden Diktaturerfahrungen aufgearbeitet und vermittelt.

Durch die Schaffung eines Lern- und Erinnerungsortes mit einer Dauerausstellung am historischen Ort, die die Erlebnisse der Ankommenden präsentiert, trägt das Notaufnahmelager maßgeblich zur Vermittlung einer positiven Demokratiegeschichte bei. Es dokumentiert die ersten, oft schwierigen Schritte in ein Leben unter den Bedingungen der Demokratie und Rechtsstaatlichkeit und sensibilisiert für Themen wie Demokratie und Diktatur, Flucht, Freiheit, Integration sowie Menschenrechte.

Im Lern- und Erinnerungsort Notaufnahmelager Gießen wird ein umfangreiches pädagogisches Angebot geschaffen, das sowohl digitale als auch traditionelle Lernformate umfasst, um die Geschichte lebendig und für alle zugänglich zu machen. Digitale Angebote wie interaktive Lernmodule, Apps, Spiele und aufgezeichnete Zeitzeugengespräche sind darauf ausgerichtet, insbesondere jüngere Generationen anzusprechen und komplexe Inhalte auf moderne und interaktive Weise zu vermitteln. Neben den digitalen Formaten sind auch Führungen, Workshops und Zeitzeugengespräche ein zentraler Bestandteil des Bildungsangebots.  Über diese Kombination aus digitalen und traditionellen Angeboten sollen ein breites Publikum angesprochen, das historische Bewusstsein für die deutsch-deutsche Geschichte geschärft und demokratische Werte vermittelt werden.

Die Hessische Landeszentrale für politische Bildung in Wiesbaden errichtet den Lern- und Erinnerungsort in ressortübergreifender Zusammenarbeit auf dem landeseigenen Gelände des ehemaligen Notaufnahmelagers. Die Trägergesellschaft in der Rechtsform einer gGmbH steht im alleinigen Besitz des Landes Hessen und ist für den Betrieb verantwortlich. Die Investivmittel für das Projekt stammen vom Land Hessen, der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien sowie dem hessischen Digitalministerium.

Der Lern- und Erinnerungsort Notaufnahmelager Gießen versteht sich auch als Forschungseinrichtung, die sich der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Themen der Zeitgeschichte, Migration und Integration widmet. Unser Archiv umfasst eine breite Palette von Dokumenten, Fotografien und Zeitzeugenberichten, die Forschenden und Interessierten ab 2025 zur Verfügung stehen. Wir unterstützen perspektivisch akademische Arbeiten und Forschungsprojekte und fördern den Austausch zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen.

Eine besondere Art der Unterstützung ist die Meldung als Zeitzeugin oder Zeitzeuge. Menschen, die direkt oder indirekt mit dem Lager verbunden waren – sei es als Geflüchtete, (Spät-)Aussiedlerinnen und Aussiedler, Asylsuchende, politische Häftlinge oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter –, sind eingeladen, ihre persönlichen Erlebnisse zu teilen. Diese Geschichten tragen wesentlich dazu bei, ein tiefgreifendes Verständnis für die historischen Ereignisse zu entwickeln und diese für zukünftige Generationen zugänglich zu machen. Darüber hinaus spielt die Zurverfügungstellung von Dokumenten, Fotografien und Archivmaterial eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der Ausstellung und der Konzeption des Bildungsangebots Falls Sie Zeitzeugin oder Zeitzeuge sind, so melden Sie sich bitte unter dieser E-Mail.

Zudem besteht als Ausdruck außerordentlichen bürgerschaftlichen Engagements bereits weit vor Inbetriebnahme der Gedenkstätte ein Förderverein Notaufnahmelager Gießen, der aus der städtische Gesellschaft heraus den entstehenden Lern- und Erinnerungsort unterstützt. Weitere Informationen siehe FAQ Nr. 10.

Der Lern- und Erinnerungsort Notaufnahmelager Gießen wird nach seiner Eröffnung vielfältige Möglichkeiten für Freiwilligenarbeit und ehrenamtliches Engagement bieten. Interessierte können sich dann unter anderen in den Bereichen Besucherbetreuung, pädagogische und wissenschaftliche Arbeit oder Veranstaltungsorganisation engagieren. Ehrenamtliche leisten einen wichtigen Beitrag zur Bereicherung unseres Angebots. Wenn Sie sich engagieren möchten, kontaktieren Sie bitte ab Sommer 2025 direkt die Geschäftsführung.

Der Förderverein Lern- und Gedenkort Notaufnahmelager Gießen e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, das Gedenken, die Erinnerung, Information und den Dialog über die Geschichte der ehemaligen Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen seit dem Zweiten Weltkrieg zu fördern. Dies erfolgt durch ideelle und materielle Unterstützung des geplanten Lern- und Gedenkortes am Gießener Meisenbornweg. Der Vorsitzende des Fördervereins ist Pfarrer Matthias Leschhorn. Die stellvertretende Vorsitzende ist Nicola Roether. Interessierte können den Förderverein über diese E-Mail-Adresse erreichen.

Weitere Fragen und Kontaktmöglichkeit

Kontaktieren Sie uns gerne für Rückfragen zum derzeitigen Projektstand, Presseanfragen und allgemeine Informationen unter: linus.maletz@nal-giessen.de

Für Fragen zu den Zeitzeugen schreiben Sie uns gerne unter: zeitzeugen@nal-giessen.de

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