Demokratie will gelebt werden
In der Verfassung steht: „Die Staatsgewalt liegt unveräußerlich beim Volke.“ Das bedeutet: Der Staat ist für die Menschen da und nicht umgekehrt. Demokratie lebt davon, dass alle mitmachen, auch Kinder und Jugendliche. Deshalb verlangt die Hessische Verfassung, dass sich junge Menschen vielfältig engagieren und auch mitentscheiden können: in der Schule, in der Kommunalpolitik, in Vereinen, in sozialen Projekten und in der Freizeit. Möglichkeiten dazu gibt es reichlich in Hessen.
Mitbestimmen in der Schule
Die Wahl von Klassensprecher oder Klassensprecherin ist nicht nur eine Pflichtaufgabe, sondern der erste Schritt in Richtung „echte Demokratie“. Schülerinnen und Schüler entscheiden selbst, wer für sie die Stimme erhebt – ob es um Klassenprojekte geht oder wenn es mal Stress mit Lehrkräften gibt. Die Gewählten bilden dann den Schülerrat. Aus dieser Runde wird der Schulsprecher oder die Schulsprecherin gewählt. Nach dem Hessischen Schulgesetz haben die sogar bei wichtigen Schulkonferenzen ein Mitspracherecht. Sie können mitentscheiden, wie der Schulhof umgebaut wird, was in der Cafeteria auf den Teller kommt oder welche Aktionen gegen Diskriminierung, Mobbing oder für den Klimaschutz gestartet werden. Und das ist noch nicht alles: So sprechen sie regelmäßig direkt mit der Schulleitung – führen also quasi „Chefgespräche“. Außerdem vertreten sie ihre Schule im Stadtschülerrat oder sogar im Landesschülerrat, der bei wichtigen, die Schulen betreffenden Angelegenheiten vom Kultusministerium gehört werden muss. Kurz gesagt: Die Klassensprecherwahl ist nicht nur Symbolik – sie öffnet die Tür dazu, dass Schüler und Schülerinnen mitreden und mitbestimmen können bei Entscheidungen, die sie betreffen.
Jung und engagiert
Die ehrenamtliche Arbeit in einer Schülervertretung kann in Hessen auch als Freiwilliges Soziales Schuljahr (FSSJH) anerkannt werden. Jeweils neun Monate lang engagieren sich Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahren in hessischen Landkreisen und der Stadt Kassel in ihrer Freizeit in sozialen, kulturellen, ökologischen und sportlichen Einrichtungen oder Vereinen. Da werden zum Beispiel in Seniorenheimen die Älteren bei Computerfragen unterstützt und Workshops gegen den Enkeltrick angeboten, bei den Tafeln Lebensmittel ausgegeben, Hausaufgaben betreut, mit Kindern von Geflüchteten Deutsch geübt oder die Jugendfeuerwehr mit organisiert. Nach 80 Stunden freiwilligem Einsatz winkt ein Zertfikat, das bei Bewerbungen gern gesehen wird. Aber viel wichtiger noch sind die persönlichen Erfahrungen, die bei den Einsätzen zum Gemeinwohl gemacht werden können.