Aghet - armenisch für „die Katastrophe“ – beschreibt ein besonders dunkles Kapitel des Ersten Weltkriegs. Im osmanischen Reich findet einer der schwersten Völkermorde der damaligen Zeit statt. Schätzungsweise 1,5 Millionen Armenier werden von der jungtürkischen Regierung systematisch ermordet. Doch bis heute leugnet die Türkei ihre Verantwortung für den Genozid am armenischen Volk. Aber auch das frühere deutsche Kaiserreich ist in dieses Verbrechen verwickelt. Völkerrechtler Lars Berster erläutert, inwiefern Deutschland eine juristische Mitschuld trifft und weshalb sich die Türkei seit über 100 Jahren gegen eine Anerkennung des Verbrechens sträubt. Warum Historiker Markus Koller dennoch an #VernunftundGlaubeandieZukunft appelliert, erfahren Sie in dieser Folge.
Prof. Dr. Markus Koller
Prof. Dr. Markus Koller studierte Geschichte Ost- und Südosteuropas, Geschichte und Kultur des Nahen Ostens und Vorderen Orients sowie Turkologie und Alte Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Danach wechselte er an die Ruhr-Universität Bochum, an der er seit 2011 Professor für die Geschichte des Osmanischen Reichs und der Türkei ist. Seit 2019 ist er auch Dekan der Fakultät für Geschichtswissenschaften. Markus Koller ist außerdem Mitglied in verschiedenen Forschungskreisen wie dem CERES Research Department, dem Osteuropa-Kolleg, der Südosteuropa-Gesellschaft und im Vorstand des Zentrums für Mittelmeerstudien.
Dr. Lars Berster
Dr. Lars Berster absolvierte sein Jura-Studium an den Universitäten Passau, Münster, Lüttich und an der Ludwig-Maximilians-Universität München, an der er 2008 promovierte. Im gleichen Jahr war er auch Proberichter am Landgericht Kassel. Zwischen 2009 und 2012 arbeitete Lars Berster als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für deutsches und europäisches Strafrecht, Völkerstrafrecht sowie für Friedenssicherungs- und Konfliktvölkerrecht an der Universität zu Köln. Dort habilitierte er auch anschließend bis 2020. Er ist außerdem Mitautor des führenden Kommentars zur ‚Convention on the Prevention and Punishment of the Crime of Genocide‘, der sowohl vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag und vom Supreme Court der Vereinigten Staaten aufgegriffen wurde. Seit 2015 ist Lars Berster Mitglied und Mitarbeiter im Scientific Committeevon „Yahad in Unum“, einer Nichtregierungsorganisation zur Erforschung von Völkermord und Menschlichkeitsverbrechen in Osteuropa, Mittelamerika und im Nordirak.
Der Dokumentarfilm „Aghet – Ein Völkermord“ von Regisseur Eric Friedler aus dem Jahr 2010 arbeitet den Genozid durch eine Mischung aus Zeitzeugenzitaten und szenischen Darstellungen auf.